AKTUELLE PROJEKTE

Neurodivergenz im Strassenverkehr – Herausforderungen und Chancen

Neurodivergente Menschen nehmen die Welt anders wahr – und damit auch den Strassenverkehr. Welchen Herausforderungen begegnen sie, wo liegen ihre Stärken und wie kann der Verkehr inklusiver für alle gestaltet werden?

Rund ein Fünftel der Bevölkerung ist neurodivergent. Das bedeutet ihr Gehirn verarbeitet Informationen anders als dasjenige, von Menschen, die als «neurotypisch» gelten. Dazu zählen unter anderem Personen mit ADHS, Autismus, Dyslexie (Menschen mit Lernbeeinträchtigungen beim Lesen, Schreiben oder Buchstabieren, bei normaler Intelligenz) oder Dyspraxie (Menschen mit Koordinationsschwierigkeiten bei Bewegungen, die alltägliche Aktivitäten erschweren). 

Die Zahl macht deutlich, dass neurodivergente Verkehrsteilnehmende keine Randgruppe sind. Da der Strassenverkehr von zahlreichen sensorischen Reizen und ständig wechselnden, dynamischen Situationen geprägt ist, ist davon auszugehen, dass er für viele neurodivergente Menschen eine besondere Herausforderung darstellt. Dennoch liefert die Forschung bislang nur begrenzt Erkenntnisse dazu, wie sie den Strassenverkehr tatsächlich erleben.

Bislang fehlt systematisches Wissen darüber, welche konkreten Situationen neurodivergente Personen im Schweizer Strassenverkehr als herausfordernd erleben und wo ihre Stärken liegen. Ungeklärt ist etwa, ob und wann sie den Strassenverkehr als belastend oder gefährlich wahrnehmen, wann und weshalb Überforderungssituationen entstehen und wie diese Erfahrungen zwischen verschiedenen Gruppen variieren. Wenig erforscht ist bisher auch, ob neurodivergente Personen in ihrer Verkehrsmittelwahl eingeschränkt sind und welche Barrieren oder Präferenzen dem zugrunde liegen. Die vielschichtige Perspektive der Betroffenen steht dabei im Mittelpunkt.

Wir von der Stiftung für Prävention der AXA ermöglichen die Durchführung des Forschungsprojekts «Neurodivergenz im Strassenverkehr», weil es diese Wissenslücke schliesst und die Grundlage für konkrete, evidenzbasierte Präventionsmassnahmen schafft.

Dr. Andrea Schneider – Projektleiterin, The Behavior Lab GmbH


«Wir möchten besser verstehen, wie neurodivergente Menschen den Strassenverkehr erleben und wie sich ihre Erfahrungen von denen neurotypischer Menschen unterscheiden. Basierend auf dieser Grundlage möchten wir konkrete Ansätze entwickeln, um den Strassenverkehr für alle angenehmer und sicherer zu gestalten.»

 

Dr. Gilles Chatelain – Stv. Projektleiter, The Behavior Lab Gmb


«Strassen sollen inklusiv und für neurodivergente und neurotypische Personen verständlich sein. Ich möchte herausfinden, ob dies bereits heute der Fall ist.»

 

Dr. Stefan Lakämper – Verkehrsmedizin, Institut für Rechtsmedizin (IRM), Universität Zürich

«Ich freue mich darauf, den Blick auf den Verkehr durch die Perspektive neurodivergenter Verkehrsteilnehmender erweitern zu dürfen – ist doch gerade ihre Sichtweise wesentlich für zielgerichtete Inklusion, Forschung und Unfallprävention.»

 

Dr. Wernher Brucks – Stiftungsrat, Leiter Verkehrssicherheit, Stadt Zürich


«Wir wollen städtische Mobilitätslösungen für alle Menschen anbieten. Deshalb ist es von grossem Interesse für uns, wie neurodivergente Menschen sich im Stadtverkehr bewegen, und wie wir sie dabei unterstützen könnten.»

 

Tobias Mäder, Stiftungsrat, Stiftung für Prävention der AXA

Tobias Mäder – Stiftungsrat, Leiter Customer Management Private Clients AXA 


«Seit 1973 engagiert sich die Stiftung für Prävention der AXA für mehr Sicherheit im Strassenverkehr. Als fortschrittliche Institution fördert sie zudem gezielt die Grundlagenforschung zu neuen, noch wenig bekannten Risikothemen – für die Prävention von morgen.»

 

Zentrale Forschungsfragen
Im Zentrum des Projekts steht die Frage, wie neurodivergente Personen den Strassenverkehr erleben, Welchen Herausforderungen, und vielleicht auch Risiken, sie begegnen, aber auch, wo ihre spezifischen Stärken liegen. Ein weiterer Fokus gilt der verkehrsmedizinischen Perspektive: Wie wird Neurodivergenz heute in der Fahreignungsbeurteilung berücksichtigt – und wo besteht Verbesserungsbedarf?

Methodik
Das Projektteam führt dazu eine quantitative Befragung von rund 500 Betroffenen in der Deutschschweiz durch. In partizipativen Workshops vertiefen Betroffene gemeinsam mit den Forschenden diese Erkenntnisse. Im abschliessenden Expertinnen- und Expertenworkshop mit Fachpersonen aus dem Verkehrsbereich werden schliesslich konkrete Massnahmen erarbeitet, die Sicherheit, Fairness und Prävention für alle Verkehrsteilnehmenden stärken.

Beteiligte Organisationen
Das Projekt wird von The Behavior Lab GmbH geleitet, einem Forschungs- und Beratungsunternehmen, das sich auf die praxisnahe Anwendung verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse spezialisiert hat. Als Projektpartner bringt die Verkehrsmedizin im Institut für Rechtsmedizin (IRM) der Universität Zürich ihre klinische Expertise sowie Zugang zu einem hochimmersiven Fahrsimulator ein.

Wir von der Stiftung für Prävention der AXA ermöglichen diese Forschung durch unsere finanzielle Unterstützung und leisten damit einen wichtigen Beitrag zu mehr Sicherheit und Inklusion im Strassenverkehr.

Projektüberblick

Thema:  Neurodivergenz im Strassenverkehr

Ziel:  Erkenntnisse zu Herausforderungen und Stärken neurodivergenter Verkehrsteilnehmender gewinnen und Präventionsmassnahmen ableiten

Projektpartner:innen: The Behavior Lab GmbH, Verkehrsmedizin IRM der Universität Zürich

Laufzeit: 2026 bis 2027