Rund ein Fünftel der Bevölkerung ist neurodivergent. Das bedeutet ihr Gehirn verarbeitet Informationen anders als dasjenige, von Menschen, die als «neurotypisch» gelten. Dazu zählen unter anderem Personen mit ADHS, Autismus, Dyslexie (Menschen mit Lernbeeinträchtigungen beim Lesen, Schreiben oder Buchstabieren, bei normaler Intelligenz) oder Dyspraxie (Menschen mit Koordinationsschwierigkeiten bei Bewegungen, die alltägliche Aktivitäten erschweren).
Die Zahl macht deutlich, dass neurodivergente Verkehrsteilnehmende keine Randgruppe sind. Da der Strassenverkehr von zahlreichen sensorischen Reizen und ständig wechselnden, dynamischen Situationen geprägt ist, ist davon auszugehen, dass er für viele neurodivergente Menschen eine besondere Herausforderung darstellt. Dennoch liefert die Forschung bislang nur begrenzt Erkenntnisse dazu, wie sie den Strassenverkehr tatsächlich erleben.
Bislang fehlt systematisches Wissen darüber, welche konkreten Situationen neurodivergente Personen im Schweizer Strassenverkehr als herausfordernd erleben und wo ihre Stärken liegen. Ungeklärt ist etwa, ob und wann sie den Strassenverkehr als belastend oder gefährlich wahrnehmen, wann und weshalb Überforderungssituationen entstehen und wie diese Erfahrungen zwischen verschiedenen Gruppen variieren. Wenig erforscht ist bisher auch, ob neurodivergente Personen in ihrer Verkehrsmittelwahl eingeschränkt sind und welche Barrieren oder Präferenzen dem zugrunde liegen. Die vielschichtige Perspektive der Betroffenen steht dabei im Mittelpunkt.
Wir von der Stiftung für Prävention der AXA ermöglichen die Durchführung des Forschungsprojekts «Neurodivergenz im Strassenverkehr», weil es diese Wissenslücke schliesst und die Grundlage für konkrete, evidenzbasierte Präventionsmassnahmen schafft.